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immowelt COO Dr. Robert Wagner bei der Aufnahme mit Podcast Host Robert Kaiser

Immowelt im Aufbruch: Was Makler jetzt über das Portal, KI und die Zukunft wissen müssen

Ein Gespräch mit Dr. Robert Wagner, COO von Aviv Germany / Immowelt und Geschäftsführer von Homeday


Im ImmoKaiser Podcast war Dr. Robert Wagner zum zweiten Mal zu Gast – und diesmal gab es viel Neues zu berichten. Seit seinem letzten Auftritt hat sich bei Immowelt einiges verändert: ein komplett neues Management-Team, eine neue Strategie und ein klarer Kurswechsel hin zu mehr Maklernähe. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch für euch zusammengefasst.


Neue Rolle, neue Verantwortung: Robert Wagner zwischen Homeday und Immowelt

Robert Wagner trägt heute eine Doppelrolle: Als COO der Aviv Germany GmbH verantwortet er das Portal Immowelt, gleichzeitig ist er weiterhin Geschäftsführer bei Homeday. Doch von einer wirklichen Doppelbelastung kann keine Rede mehr sein – rund 90 bis 95 Prozent seiner Zeit fließen mittlerweile in Immowelt, lediglich 5 bis 10 Prozent in Homeday.

Die operative Führung bei Homeday liegt heute bei Benjamin Lorenz, der als Geschäftsführer nachgerückt ist. Wagner bleibt Sparringspartner für strategische Themen, hält aber bewusst Abstand von operativen Entscheidungen – insbesondere dort, wo Interessenkonflikte entstehen könnten, etwa bei Vertragsverhandlungen zwischen Immowelt und Homeday als Portalkundin.

„Wir können und müssen Homeday wie jeden anderen Kunden auch behandeln. Alles andere wäre nicht fair und nicht objektiv."

Neben Homeday gehören weitere Beteiligungen wie Neuraum, Baudarlehen24, Empro und Umzugsauktion zum Aviv-Portfolio. Wagner nutzt seine breite Perspektive über all diese Unternehmen hinweg gezielt: Was beschäftigt Makler? Was treibt Baufinanzierer um? Was sind die Herausforderungen im Neubau-Segment? All das fließt in die Produktentwicklung bei Immowelt ein.


Strategischer Neustart: Weg von der europäischen Zentrale, hin zu lokaler Stärke

Ein zentrales Thema im Gespräch war die strategische Neuausrichtung der Aviv-Gruppe. Lange lag der Fokus auf paneuropäischen Synergien – zentralisierte Teams, einheitliche Prozesse über Ländergrenzen hinweg. Dieses Modell hat man bewusst verlassen.

Immowelt setzt nun auf lokale Teams, ein eigenes starkes Marketing unter einem deutschen CMO und klare Verantwortung auf Landesebene. Das Ergebnis ist bereits messbar: +43 Prozent mehr Anfragen auf die inserierten Objekte im Jahresvergleich – ein Wachstum, das Wagner klar auf die veränderte Ausrichtung zurückführt, während der Markt insgesamt nur im einstelligen Prozentbereich zulegte.


Immowelt vs. ImmoScout vs. Kleinanzeigen: Klare Positionierung gesucht

Natürlich wurde im Gespräch auch die Wettbewerbslage nicht ausgespart. Wagner nimmt ImmoScout als den deutlich stärkeren Platzhirsch wahr – das ist kein Geheimnis. Aber er sieht klare Hebel, mit denen Immowelt aufholen kann:

Gegenüber Kleinanzeigen sieht Wagner einen qualitativen Vorteil. Kleinanzeigen ist als horizontaler Marktplatz breit aufgestellt – von Immobilien bis zu Skischuhen. Die Spezialisierung, Datenqualität und Anfragekonvertierung sind nach Wagner's Einschätzung bei Immowelt deutlich besser. Interessant dabei: Kleinanzeigen werde von vielen Nutzern bewusst genutzt, weil man dort mit Privatanbietern kommunizieren möchte – also gerade nicht mit Maklern. Das mache Kleinanzeigen für professionelle Makler strukturell weniger relevant.

Gegenüber Scout setzt Immowelt auf ein bewusst offenes Ökosystem. Kein „One System"-Lock-in, keine erzwungene Abhängigkeit. Wer als Makler auf Immowelt setzt, behält die Kontrolle über seine eigenen Prozesse und sein CRM. Das ist eine klare strategische Botschaft – auch an Makler, die gerade erfahren, was es bedeutet, wenn ein Portal plötzlich zum Admin des eigenen CRMs wird.


Was Makler wirklich von Immowelt erwarten können

Einer der überzeugendsten Punkte im Gespräch: Immowelt koppelt die Ziele seiner Vertriebsteams künftig an den Erfolg der Makler – nicht mehr an reine Umsatzzahlen. Das klingt zunächst wie ein PR-Satz, hat aber operative Konsequenzen:

Die Vertriebsmitarbeiter sollen künftig als echte Sparringspartner auftreten – mit Daten zu Listingqualität, Nachfragesituation, Preispositionen und Marktvergleichen. Dazu wurde Salesforce als CRM eingeführt. Wagner weiß um die Herausforderungen solcher Systemwechsel – und räumt ein, dass er bisher noch keine reibungslose CRM-Einführung erlebt hat. Aber das Ziel ist klar: bessere Vorbereitung, bessere Gespräche, echter Mehrwert für Makler.

„Unser Erfolg ist untrennbar mit dem Erfolg der Makler verbunden."


Marktentwicklung: Stabilisierung ja – Euphorie nein

Wie steht es um den deutschen Immobilienmarkt? Wagner sieht eine vorsichtige Stabilisierung: Kauf- und Verkaufspreisvorstellungen nähern sich wieder an, das Angebot steigt leicht. Aber: Die geopolitischen Unsicherheiten, volatile Bauzinsen und die allgemeine Kaufzurückhaltung lassen keinen Jubel zu. Wagner formuliert es nüchtern – er blickt „recht verhalten" auf die nächsten Monate.

Langfristig aber bleibt er positiv gestimmt: Der Wunsch nach Wohneigentum wächst laut Immowelt-Daten eher, als dass er schwindet. Und erfahrene Marktteilnehmer erinnern sich an härtere Zeiten. Krisen gehen vorbei – das war immer so.


KI im Immobiliensektor: Produktivitätsboost, keine Revolution

Kein Gespräch im Jahr 2025 ohne KI – und auch Robert Wagner hatte dazu Substanzielles beizutragen.

Intern bei Immowelt wird KI bereits vielfältig genutzt: für schnellere Texterstellung, Präsentationen, Code Reviews und vor allem als kritischer Gesprächspartner für strategische Entscheidungen. Wagner nutzt KI persönlich, um eigene Konzepte zu challengen – „Wo siehst du Schwachpunkte? Was habe ich vergessen?" Das sei deutlich wertvoller als ein KI-generierter Ersttext.

Für Makler sieht er enormes Potenzial – aber keinen Ersatz. Wer KI in seinen Arbeitsalltag integriert, wird schneller, effizienter und damit erfolgreicher. Wagner malt ein konkretes Bild: In zwei Jahren könnte ein Makler einmal durch eine Wohnung gehen, auf „Exposé erstellen" tippen – und bekommt automatisch bereinigte Fotos (unaufgeräumte Ecken weg), Standortdaten, Schulenentfernungen und einen fertigen Text zurück. Die Wahrscheinlichkeit, dass das in zwei Jahren möglich ist? Wagner schätzt sie als „recht hoch" ein.

Die persönliche Beziehung bleibt trotzdem unersetzlich. Immobilienkauf ist in den meisten Fällen eine „once in a lifetime"-Entscheidung, verbunden mit großen Lebensveränderungen. Wer kauft oder verkauft, braucht Vertrauen, menschliche Begleitung und jemanden, der hilft, Kompromisse zu navigieren – das kann KI nicht leisten.


Agentic AI und die Zukunft der Portale

Der vielleicht spannendste Teil des Gesprächs: Was passiert, wenn KI-Agenten künftig selbstständig Immobilienportale durchsuchen und Ergebnisse direkt im KI-Interface präsentieren – ohne dass der Nutzer überhaupt noch auf Immowelt.de geht?

Wagner sieht das nicht als bloße Bedrohung, sondern als Herausforderung zur Partnerschaft. Immowelt will sicherstellen, dass es als verlässliche Datenquelle in diesen Agenten integriert bleibt – und argumentiert: Bei einer Immobilienentscheidung will man nicht einfach drei vorgefilterte Ergebnisse. Man will den vollen Marktüberblick. Das sei ein struktureller Unterschied zur Restaurantsuche, wo eine KI-Empfehlung reicht.

Derzeit kommt laut Wagner erst ein sehr kleiner Anteil des Traffics über KI-Modelle. Aber das Thema steht wöchentlich auf der Agenda.


Deutscher Immobilienpreis: Mehr als eine Gala

Abgeschlossen wurde das Gespräch mit einem Blick auf den Deutschen Immobilienpreis, den Immowelt im Palladium in Köln ausrichtet. Über 600 Bewerbungen gingen ein. Wagner sieht den Preis als Ausdruck von Wertschätzung für eine Branche, die oft unterschätzt wird – und als Branchentreff auf hohem Niveau.

Bemerkenswert: Auf dem Event können auch Nicht-Kunden von Immowelt teilnehmen. Ein bewusster Unterschied zum Wettbewerb, wie Wagner betont.

Als Jurymitglied teilte auch Robert Kaiser seine Eindrücke: Was ihn am meisten beeindruckte – das Herzblut in den Bewerbungen, die Breite der Kategorien, und Makler, die durch den Bewerbungsprozess selbst klarer wurden, was ihr Unternehmen eigentlich auszeichnet.


Mein Fazit

Das Gespräch mit Robert Wagner macht deutlich: Immowelt ist in Bewegung. Die Kombination aus neuer Führung, lokalerer Ausrichtung, offenerem Ökosystem und datengetriebenerem Vertrieb klingt nach einem echten Strategiewechsel – nicht nach Marketingsprache.

Für Makler bedeutet das: Es lohnt sich, Immowelt neu zu bewerten. Nicht weil das Portal plötzlich perfekt ist – sondern weil die Richtung stimmt. Und weil ein Portal, das seinen Erfolg am Maklererfolg misst, ein anderer Gesprächspartner ist als eines, das primär Listenpreise verkauft.

Die KI-Diskussion rund um Portale, Sichtbarkeit und Maklerrolle wird uns alle noch lange beschäftigen. Wer jetzt anfängt, sich damit auseinanderzusetzen, ist klar im Vorteil.


Dieser Beitrag basiert auf der Podcast-Episode des ImmoKaiser Podcasts mit Dr. Robert Wagner (Aviv Germany / Immowelt). Den vollständigen Podcast hört ihr auf allen gängigen Plattformen wie Spotify oder Apple Podcasts oder hier direkt im Webplayer:

Fragen zur Portalstrategie, CRM-Integration oder KI im Maklerbüro? Meldet euch gerne bei Robert Kaiser über das Kontaktformular.

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